Liechtenstein: Das Ende des “Schwarzgeld-Business”
Die liechtensteinischen Finanzfachleute gingen in die Offensive. In der Schweiz wird noch an Quellen- und Abgeltungssteuermodellen gearbeitet, in Liechtenstein herrscht allseitige Einigkeit, dass Schwarzgeld weiss werden muss. Ein Teil der bisher unversteuerten Milliarden soll im “Ländle” bleiben. Liechtenstein schliesst wohldurchdachte Steuerabkommen ab und holt sogar noch Übergangsfristen heraus. Die Emanzipation des kleinen Nachbarstaates ist offensichtlich, und durch den Prozess der inneren Reinigung sowie dem Relaunch der Qualitätsansprüche als internationaler Finanzplatz ist Liechtenstein aus dem Schatten der Schweiz herausgetreten.
Glorreiches Paradebeispiel dieser neuen Gesinnung und Entwicklung ist der liechtensteinische Treuhänder, Banker und Vermögensverwalter Fritz Kaiser, der die Unternehmensgruppe “Kaiser.Ritter.Partner” führt. In einem Interview mit dem “SonntagsBlick” sagt Herr Kaiser:
“Schwarzes Geld weiss zu machen, wird für ein paar Jahre ein gutes Geschäft sein. Wir müssen jedoch den Kunden nachhaltige Lösungen bieten”. Fritz Kaiser antwortet auf die Fage des “SonntagsBlicks”, ob es in zehn Jahren noch sogenannte “Steueroasen” geben werde:
“Es wird keine Orte mehr geben, die unversteuerte Gelder verstecken können. Das dauert aber nicht zehn, sondern eher drei, maximal fünf Jahre.” Fritz Kaiser machte aus der Not eine Tugend und erklärte den Abschied vom Schwarzgeld zum Geschäftsmodell für die Fritz Kaiser Gruppe. Die neue Tochtergesellschaft “Kaiser Ritter Financial Advisors AG” mit Sitz in Zollikon soll vorerst US-Kunden und ihren Vermögensverwaltern oder Banken den Weg in die Steuerehrlichkeit ebnen, zu einem späteren Zeitpunkt auch Klienten aus anderen Staaten.
Als neuer Partner und Verwaltungsrat der Vaduzer Finanzgruppe “Kaiser Ritter Partner Holding” wirkt seit Mai 2009 der ehemalige Regierungschef Otmar Hasler. Es war für Fritz Kaiser naheliegend, den im Februar 2009 abgewählten Hasler an Bord zu holen, denn dieser stellte die Weichen für einen “steuerkonformen Finanzplatz mit einer funktionierenden Privatsphäre, dem die Kunden vertrauen können”, so Fritz Kaiser weiter.
Von der Steueroase zur “Vermögensoase“:
Fritz Kaiser äussert seine Gedanken zum Steuerkooperationsabkommen mit Grossbritannien so:
“Was für Liechtenstein gut ist, könnte auch für die Schweiz passen. Wir wollen von einer Steueroase zur Vermögensoase werden. Die schweizerische Idee einer Abgeltungssteuer ist ein altes System und nicht realistisch. Der Druck ist zu weit fortgeschritten. Statt alter Ideen müssen wir Innovationen bringen.” Auch Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein äussert die gleiche Ansicht:
“Aus vielen Gesprächen habe ich erfahren, dass etliche Treuhänder dieses Abkommen (Steuerabkommen mit Grossbritannien) befürworten, sodass man auch nicht von einer generellen Ablehnung durch die Treuhänder sprechen kann.”
Liechtenstein befindet sich somit auf einem neuen Pfad der Tugend. Ganz freiwillig wurde dieser Weg jedoch nicht beschritten. Der weltweit neu entstehende Ehrenkodex zur Ethik in Finanzgeschäften fungierte als Motor für diese Entwicklung. Der Druck seitens der EU sowie der US-Steuerbehörde IRS wurde einfach zu gross. US – Präsident Barack Obama hat ein erklärtes Ziel: Die Ausdörrung der Offshore-Finanzplätze. In Liechtenstein geht man davon aus, dass er dieses Ansinnen auch verwirklichen wird. Daher nutzt Liechtenstein die Gunst der Stunde und nimmt allen Kritikern den Wind aus den Segeln. Die wegweisende Strategie Liechtensteins zeigt, dass kompromisslose Korrektheit in Finanzangelegenheiten das Gebot der Zukunft im Wettbewerb der Finanzplätze ist.
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