Rohstoffmärkte im Wandel: “Peak Oil” – Das herannahende globale Erdölfördermaximum
Die aktuelle Krise der Finanzmärkte nahm ihren Anfang bereits im Frühsommer des Jahres 2007. Diese Krise ist die Konsequenz eines spekulativ aufgeblähten Wirtschaftswachstums in den USA sowie einer weltumspannenden kreditfinanzierten Massenspekulation. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Welt grundlegend und grundsätzlich gewandelt. Die Popularisierung des Internet, die Gobalisierung der Finanzmärkte, immense Fortschritte im Bereiche der Hochtechnologie, etc. Wachstumsregionen, wie die sog. “BRIC”-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China, sind ein enormes wirtschaftliches Potential für die bereits etablierten Industriestaaten. Diese Wachstumsgebiete haben ein ausserordentlich hohes Nachholbedürfnis in Bezug auf die Vergrösserung ihrer Infrastrukturen. Diese Streben nach höherem Wohlstand und mehr Lebensqualität impliziert einen höheren Rohstoff- und Energieverbrauch. Doch die Förderkapazitäten für Rohstoffe sind sehr stark in Anspruch genommen und zum Teile gar vollständig ausgeschöpft.
Erdöl ist der wichtigste Rohstoff der Welt. In bisher nie gekanntem Ausmass ist die Weltwirtschaft von diesem Rohstoff abhängig. 90% unserer Transportmittel zu Lande, in der Luft oder zu Wasser werden mit Erdöl angetrieben. 95% der für Endverbraucher bestimmten Waren werden dank des Einsatzes von Erdöl produziert. Öl benötigt man für die Produktion von 95% unserer Nahrungsmittel. Pro Tag werden weltweit ca. 80 Millionen Barrel Erdöl verbraucht, das sind ungefähr 30 Milliarden Barrel pro Jahr. Die internationale Energieagentur (IEA) vermutet in einem Bericht, dass sich der Verbrauch im Jahre 2030 auf ca. 120 Millionen Barrel Erdöl pro Tag erhöhen wird. Daher erhebt sich die Frage: Können Angebot und Nachfrage nach diesem Rohstoff im Gleichgewicht gehalten werden und wie lange noch wird das Erdöl verfügbar sein?
Die opinion leader des globalen Erdölfördermaximums (global peak oil) übertragen die Erkenntnis des Ölfördermaximums pro einzelnem Ölfeld auf den gesamten erschlossenen Erdölvorrat der Welt. Als Ölfördermaximum wird jener Zeitpunkt bezeichnet, an welchem die Förderkapazität eines Ölfeldes ihr absolutes Maximum erreicht. Dies ist dann der Fall, wenn etwa die Hälfte des förderbaren Öls zu Tage gebracht wurde. Unabhängige Experten vermuten, dass das globale Erdölfördermaximum bereits erreicht wurde oder in ein paar Jahren erreicht sein wird. Die Gefahr des “global peak oil” ist gegenwärtig. Um neue Erdölfelder zu erschliessen, werden viele Jahre an Vorlaufzeit benötigt.
Vor über einem halben Jahrhundert wurden die grössten Ölfelder der Welt entdeckt. Es sind dies das Burgan-Feld im Jahre 1938 in Kuweit und das saudi-arabische Feld von Ghawar im Jahre 1948. Bereits 1965 wurde die Spitze der Entdeckungen erreicht. In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es noch ein paar grössere Entdeckungen: Das Feld von Prudhoe Bay in Alaska und jenes in der Nordsee. Auch wenn in Zukunft grosse Ölfelder entdeckt werden sollten, so sind diese vermutlich nur unter erschwerten Bedingungen zugänglich, denn der Förderaufwand ist extrem hoch und nur dann lohnenswert, wenn der Marktpreis für Erdöl eine entsprechende Höhe hat. Auch wenn die globalen Erdölvorkommen die globale Wirtschaft für die kommenden Jahrzehnte mit dem “Schwarzen Gold” versorgen könnten, so ist die zeitgerechte Versorgung der Weltwirtschaft mit Öl dennoch fraglich.
Im Falle eines “global peak oil” böten sich dramatische Szenarien: Die Finanzmärkte könnten panisch reagieren, wenn es sich als Faktum herausstellen würde, dass der globalen Ökonomie der wichtigste Treibstoff nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung stünde, um die Prozesse der Wirtschaft in Betrieb zu halten. Die Rohstoffpreise würden ins Astronomische explodieren und Inflationsschübe provozieren, dies würde zu höheren Zinsen führen. Solche “worst case – Szenarien” führten in den letzten paar Jahren zu einem Umdenken in der Politik wie auch in der Gesellschaft.
Die weltweite Abhängigkeit von Erdöl kann nur durch den konsequenten Einsatz von alternativen Energiequellen vermindert werden. Den erneuerbaren Ressourcen der Energie wie Wasserkraft, Photovoltaik, Windkraft etc. kommt eine erhöhte Bedeutung zu. Zudem muss Energie effizienter genutzt werden. Denn der Zeitraum, in welchem nach beherzten Sonntagsreden der Politiker auch Taten folgen sollen, ist knapp bemessen.
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